23
Der Trendprofi zum Fair Trade
Werbeversprechen, Modekombinationen, Design – monatlich werden dem Verbraucher neue Produkte vorgeführt, die sich gar nicht so sehr von den alten unterscheiden. Nur in einem: Sie werden als “Trend” bezeichnet, oder mit dem Adjektiv “trendy”. Der rhetorische Trick wird hier angewandt, den Kunden mit der Behauptung zur vorschnellen Geldausgabe zu verführen, er sei “im Trend” (also gewissermaßen “der Masse zugehörig”), wenn er bestimmte Artikel oder Kleidungskombinationen erwirbt. Doch spätestens zeigt sich dies als Makulatur, wenn eben jenes Produkt nach einer gewissen Zeit “out” ist, um wiederum neuen Angeboten den Platz zu räumen.
Die Wahrheit des Trendprofi scheint hier jedoch tiefer zu liegen. Nach Jahrzehnten unbedachten Handelns in Politik und Wirtschaft, was in jedem Fall ein Trend war, zeichnet sich zuweilen eine Art “Gegentrend” ab. Barack Obama, der sich mit globalem Bewußtsein tolerant, authentisch und selbst als Mitglied einer international verwurzelten Familie präsentiert, scheint hier einer der “Trendsetter”.
Jedoch Obama ist nicht der erste, der versucht, die menschliche Gesellschaft als Einheit zu erklären: Zufällig nur an unterschiedlichen Orten wohnhaft, hat jeder Mensch doch dieselbe Würde und Rechte. Auch, wenn es sich um Arbeiter der Bekleidungsindustrie handelt. Doch werden ihnen auch ihre Rechte zugestanden? Für angemessene Arbeitsbedingungen? Für gerechten Lohn? Entspricht jeder Schritt der Produktionskette einer Grundeinstellung, die nicht das Humankapital, sondern den gleichberechtigten Partner im Arbeiter sieht?
Mit dem “Dritten-Welt-Laden” hatte es damals begonnen, die “Eine-Welt-Initiative” bleibt ebenfalls etwas, was als langanhaltender Trend zu bezeichnen wäre. Heute ist es das Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene, welches angefragt hat: Welche Bekleidungsfirma der westlichen Welt verkauft Gerechtigkeit, d. h. aktiv darauf, dass kein Arbeiter in der Produktion in seinen Rechten beschränkt wird? Und es gab Antworten: Der britische Einzelhändler Bishopston Trading (Bristol) verkauft ausschließlich in Indien gefertigte Kleidung – zahlt faire Preise und achtet peinlich darauf, dass bei Färbung und Verarbeitung keine Giftstoffe verwendet werden. In Deutschland sind es Sense Organics in Frankfurt/Main, Greenality Clothing in Filderstadt und Laissezfair in Köln – wie auch der T-Shirt Versand Lamulamu und der Online-Shop der Firma “Fair Trade Zone”, die sich – von der Rohstoffernte bis zur Warenfertigung – Menschlichkeit vor Wirtschaftlichkeit gehen lassen. Oder anders gesagt: sie praktizieren, dass der Trend zur wahren Wirtschaftlichkeit nur in der Menschlichkeit begründet liegt. Und ihre Kunden geben ihren Recht – und dem Trend zum “gerechten Produkt”. Solche Produkte werden auch kostengünstig im Internet verkauft, man sollte jedoch stets darauf achten, ob diese den erwarteten Kriterien auch wirklich entsprechen.
Dieser Beitrag wurde geschrieben von Elke Lohre
Weitere interessante Berichte:
Tags: Trendprofi
